Andere digitale Tools für die Unterrichtsgestaltung

Wir wollen Tools, die unseren Distance-Learning-Unterricht lernorientierter machen und weder uns noch den Teilnehmenden im Weg stehen. Ich versuche mich an einer nicht ganz so offensichtlichen Zusammenstellung.

1. Vorbereitung: Trello

(Kostenlos, bzw. ca. USD 5.- mtl.)

Ein Leben ohne Trello? Kaum vorstellbar für mich. Mit Trello können Kanban-Boards erstellt werden. Wir können mit anderen Menschen an einem Board zusammenarbeiten, allerdings kann man es auch alleine nutzen. Es lässt sich damit fast alles planen: Projektplanung, Produktplanung, Produktionsplanung, etc. Seit einiger Zeit – egal, ob Präsenz oder online – plane ich meine Unterrichtsmodule mit Trello.

Hier ein echtes Beispiel mit Matrix-Hintergrund, den man selbst auswählen kann.

Für meine Kurse erstelle ich jeweils ein eigenes Trello-Board. In den ersten drei Spalten, – damit ich es immer vor Augen habe – stehen die drei wichtigen Ls: Leaner, Logistics, Learning. Danach kommt eine Spalte pro Tag oder Modul mit den Inhalten.

Karten, so heissen die Einträge in einer Spalte, können strukturierte Eigenschaften haben. So definiere ich, z.B. Zeitbedarf und Sozialform, damit ich die Rhythmisierung im Blick habe. Die farblichen Markierungen ist meine Einstufung, wie weit ich mit der konkreten Vorbereitung dieser Einheit bin. Mein Ziel ist, dass alles grün wird – ich habe noch einiges zu tun.

2. Zusammenarbeit: Microsoft Edge

(kostenlos)

Aktuell stellen einige meiner Auftraggeber auf Microsoft Teams um. Die Teams-App unterstütz noch nicht mit mehreren Accounts gleichzeitig eingeloggt zu sein. Zum Glück können wir auf Teams auch im Browser zugreifen. Microsoft hat vor einigen Monaten den neuen Edge-Browser vorgestellt, der Profile ermöglicht, und so werden mehrere Teams-Kontos zum Klacks. Ich nutze Edge nur für den Zugriff auf Microsoft-Services, dazu habe ich verschiedene Profile angelegt (oben rechts in der Ecke ist das Menü).

Drei Profile in meinem Edge: Privat, Schule A und Schule B – Da kann beim googlen auf Bing nichts mehr schief gehen.

Jedes Profil ist komplett unabhängig voneinander. So können wir in dem einen Profil dem Teams-Accounts von der Organisation A eingeloggt sein und in dem anderen Profil in der Organisation B. Es lassen sich beliebig viele Profile im Edge hinzufügen und es ist möglich Fenster von verschiedenen Teams/Profilen gleichzeitig offen zu haben.

Wichtig bei der Einrichtung von Profilen ist, dass ihr nach dem Login sagt, dass dieses Profil nur im Edge verwendet werden soll. Ihr wollt nicht euern ganzen Computer der Organisation zur Verfügung stellen.

3. Arbeitsblätter: Google Slides

(Kostenlos, bzw. ab EUR 6.- mtl.)

Ich liebe Google Slides! Mit Google Slides können wir nicht nur Präsentationen erstellen, sondern auch digitale «Arbeitsblätter» für unsere Teilnehmenden. Wir können multimediale Erklärungssequenzen mit Arbeitsaufträge kombinieren und zusätzlich ist alles schön in Häppchen (Folien) strukturiert und kann selbstständig abgearbeitet werden.

Hier ein Arbeitsauftrag in Google Slides. Bei diesem Arbeitsauftrag habe ich es leider vergessen, aber es ist möglich Slides auf A4-Format umzustellen, dann klappts auch super mit dem Ausdrucken (Datei > Seiteneinstellungen).

Damit nicht alle auf der gleichen «Slides-Datei» in Realtime arbeiten, können wir beim Verteilen der Vorlage das Wort «edit» in der Adresszeile durch «copy» ersetzen (siehe roter Kasten im Screenshot). Mit diesem neuen Link für die Teilnehmenden öffnet jede_r automatisch eine persönliche Kopie der Datei. Alternativ können die Dateien für jede teilnehmende Person vorbereitet werden. Der Vorteil ist, dass wir als Lehrpersonen weiterhin Zugriff auf die Datei haben, so können wir bei Rückfragen der Teilnehmenden schneller antworten.

4. Realtime Collaboration: Mural

(Kostenlos für Lehrpersonen, sonst ab ca. USD 17 mtl.)

Ich bin grosser Fan von Mural: ein Tool, das in der Design-Thinking-Community weit verbreitet ist. Mural ist ein riesiges Whiteboard in dem alle Teilnehmenden gleichzeitig (in Realtime) virtuelle Post-Its und anderes anheften können. Es hat tolle Funktionen für Facilitators: Sperren von Bereichen, Timer, Votings, etc.

Eine Willkommenssequenz in Mural

Ich lege vor dem Unterricht bereits die Struktur an: «Areas» – wie z.B. im Screenshot die Willkommensfläche – füge ich der «Outline» hinzu, so gibt es jederzeit für alle Teilnehmenden rechts am Bildschirm eine Übersicht des Tagesablaufs. Am Besten wird Mural mit einem synchronen Video-Call genutzt und der Real-Time-Collaboration steht nichts mehr im Weg.

5. Videoaufnahmen: Flipgrid

(Kostenlos)

Flipgrid ist ein Service, bei dem wir Aufgaben einstellen können, die die Teilnehmenden asynchron per Videoaufnahme von sich selbst beantworten. Die Administration ist etwas unübersichtlich, aber die App für die Teilnehmenden ist grossartig gemacht: Sie ist super einfach, unterstützt Filter, Sticker und alles andere, was es heutzutage bedarf. Das Tool ist übrigens von Microsoft und bietet eine direkte Integration in Microsoft Teams.

Ich nutze die App für eine Vorstellungsrunde bevor der Kurs beginnt. In Zukunft möchte ich es auch für Einzelaufgaben im Distance-Learning verwenden.

Ebenfalls nutze ich Tools ausgiebig, die schon überall anders im Internet beschrieben werden: Kahoot (grossartig!), Zoom (auch gut) und Krips.ai (yay). Kein Fan bin ich übrigens von: Padlet und Mentimeter. Ich finde sie zu wenig flexibel, sie werden schnell unübersichtlich oder sind einfach nicht schön.

Nicht alle Teilnehmenden in unseren Kursen sind Digitale Natives. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Menschen nicht da sind, um den Umgang mit Education-Tools zu lernen, sondern um etwas anderes zu lernen.