Rhythmisierung im Distance Learning

Für den Präsenzunterricht gilt die 20-Minuten-Faustformel für frontale Ansprachen, damit die Motivation nicht in den Keller sinkt. Im digitalen Unterricht ist diese Zeitspanne viel kürzer: Nach ca. 10 Minuten ist Schluss mit Frontalansprache durch die Lehrperson. Was können wir stattdessen tun?

1. Vertrauen in die Teilnehmenden

Wir Lehrpersonen haben oft den ganzen Klassenraum im Überblick. Wir wissen, wie weit die Teilnehmenden mit den Aufgaben sind. Im Distance-Learning sollten wir die Verantwortung abgeben.

Ich stelle Aufgaben, die in Einzelarbeit bearbeitet werden müssen, die drei Stunden zur Lösung brauchen. Wir müssen Vertrauen in unsere Teilnehmenden haben. Sie werden lernen. Vielleicht lernen sie etwas anderes, als wir vorgegeben haben, aber sie werden selbstgesteuert und eigenverantwortlich lernen.

2. Prozess vor Inhalt

Kooperative Lernformen sind im Präsenzunterricht Gold wert vor allem wenn für’s kompetenzorientierten Lernen. Im Distance Learning sind sie unumgänglich.

Wir müssen nicht alles erklären. Die Teilnehmenden können voneinander lernen – wenn wir den Lernprozess strukturieren. Der Prozess Einzelarbeit – Pärchenaustausch – Plenum kann an die digitale Umgebung angepasst werden. Beispielsweise kann der Austausch in Pärchen über WhatsApp erfolgen oder das Plenum ist nicht in einem synchronen Videocall, sondern kann in einem Gruppenforum im LMS erfolgen.

3. Zeitplan

Im Klassenraum können wir den Zeitplan je nach Situation anpassen. Wenn die Teilnehmenden im Distance Learning selbstgesteuert lernen und wir darauf hoffen, dass sie mit uns Kontakt aufnehmen, müssen wir die den Zeitplan vorab klar kommunizieren.

Ich stelle am Anfang einen exakten Zeitplan auf wie spät wir uns wo treffen und worüber wir reden werden. So ist sichergestellt, dass alle Teilnehmenden wissen wohin sie wann klicken müssen, damit wir uns wiedersehen.

4. Weniger Tools sind mehr

Es gibt Menschen, die haben duzende Tabs im Browser geöffnet, und es gibt Menschen, die nutzen immer nur einen Tab zum Surfen im Internet. Es gibt Teilnehmende, die sind überfordert, wenn wir zum Lernen zich verschiedene Tools einsetzen.

In der Didaktik reden wir immer von der Reduktion. Wir sollten uns auch die Toolreduktion vor Augen führen! Nicht die Tools bestimmen den Erfolg unseres Unterrichts, sondern der Lernprozess und die Inhalte sind entscheidend. Die besten Unterrichtsblöcke habe ich, wenn ich mich darauf konzentriere, dass ich nur drei Toolkategorien einsetze mit jeweils einem Tool:

1. Video-Call, z.B. Zoom
2. Kollaboratives, real-time Arbeiten, z.B. Mural oder Google Slides
3. Geschriebener Gruppenchat, z.B. Whatsapp oder tlk.io

(Ja, da steht jetzt kein LMS und kein MS Teams in dieser Liste. Das ist ein Thema für einen anderen Text.)

5. Multitool ist gleich Multidevice!

Noch ein abschliessender Gedanke. Der Erfolg unserer Unterrichtsintervention hängt davon ab, dass wir mit unserem Unterricht aus dem (ggf. nur 11 Zoll grossen) Display der Teilnehmenden herauskommen. (siehe auch meine vorherigen Tipps zum Distance Learning)

Wenn ihr Tools im Unterricht einsetzt, guckt, dass sie mit verschiedenen Geräten benutzt werden können. Zum Beispiel: Kahoot oder Mentimeter bei denen die Fragen per Videostream übertragen werden und die Teilnahme per Handy erfolgt.

Es ist eine gute Zeit neue Fähigkeiten zum Unterrichten zu lernen. Go for it!